Joaquín Muñoz und das «Duo David Riter & José Díaz de León» spielen im Jazzkeller Hürth.

Schwindelerregendes Tempo und unbändige Energie

Joaquín Muñoz und das «Duo David Riter & José Díaz de León» spielen im Jazzkeller Hürth.

Für ein Sonderkonzert der Musikschule Hürth öffnete der Jazzkeller auf der Hermülheimer Straße am Donnerstag seine Pforten. Der 23-jährige Akkordeon-Virtuose Joaquín Muñoz aus Chile traf auf Initiative des Jazzclubs Hürth auf das Gypsy-Swing-Gitarren-Duo von David Riter und José Díaz de León. Trotz des anstehenden Fußballspiels Deutschland gegen Polen war der gemütliche Jazzkeller gut besucht.

Die erste Hälfte des Abends gestaltete Muñoz, der Folklore, U-Musik, E-Musik, Zeitgenössisches und Experimentelles interpretiert, allein. Muñoz lud das Publikum zu einer Reise ein, die ihn mit «Schwarze Augen» von Russland über Rhythmen Brasiliens bis hin nach Frankreich führten. In einem seligen Taumel irrwitziger Geschwindigkeit ließ er immer wieder Einflüsse gallischer Musette-Walzer aufscheinen, die der Komposition studierende Muñoz mit interessanten Harmonien und Klangclustern aufraute. Feinste Abstufungen und Klangfarben schienen bei diversen südamerikanischen Weisen aus dem Moment heraus zu entstehen. Eigens für den Jazzclub debütierte Muñoz auch als Jazzsolist und machte danach mit der effektvollen Komponiersprache seines Vaters Franklin Muñoz bekannt. Für die große Fantasie, Eigenständigkeit und unbekümmerte Experimentierlust des Chilenen stand nicht zuletzt seine Interpretation von Astor Piazzollas Stück «Libertango», das Muñoz in einer sehr eigenen Fassung durch Schnipsen, Klopfen und Pfeifen klanglich erweiterte.

Nach der Pause traf Muñoz auf den 17-jährigen David Riter, der zusammen mit seinem Lehrer José Díaz das «Duo David Riter & José Díaz de León» bildet. Der junge Gitarrist, der seit dem zwölften Lebensjahr von seinem Onkel und seinem Cousin in der Tradition des Sinti-Swings ausgebildet wird, ist ein Bewunderer Joscho Stephans, der ebenfalls als 17-Jähriger erstmals im Jazzkeller auf der Bühne saß. Kaum zu glauben, dass die Künstler im Vorfeld des Konzerts nur einmal geprobt hatten, denn die beiden Jungmusiker warfen sich im Laufe der Konzerthälfte immer wieder souverän die musikalischen Bälle zu und interagierten ausgesprochen harmonisch miteinander. Während Riter mit schwindelerregendem Tempo und unbändiger Energie durch die Akkorde rauschte, nahm Muñoz den Swing der Gitarristen auf und spielte mal solistisch, mal im Zusammenklang mit Díaz, der souverän für das rhythmische Fundament sorgte. Zur Einleitung hatte Díaz darauf hingewiesen, dass das Akkordeon ein wichtiges Instrument im Gypsy Swing sei. Zusammen zeigten die Musiker mit ihrer Stückauswahl, wie viel der Jazz den Musiktraditionen Südamerikas verdankt und wie bereichernd ein Zusammentreffen von Kulturen sein kann. Natürlich spielte Django Reinhardt, Altvater und Meister des Gypsy Swings, mit Kompositionen wie «Minor Blues» und «Minor Swing» eine Hauptrolle im Programm. Und zum Abschluss bewies Muñoz sogar seine Qualitäten als Sänger.

Günter Reiners, Vorsitzender des Jazzclubs Hürth, zeigte sich genauso begeistert wie das Publikum und erinnerte daran, dass dieses Konzert ohne Ruddi Sodemann, Leiter der Musikschule Josef Metternich, nie zustande gekommen wäre. Auf seine Initiative hin gebe es seit 2010 einen intensiven Austausch der Musikschulen der chilenischen Städte Petorca und Cabildo mit Hürth. Im Rahmen der Chilenisch-Deutschen Tage der Musik 2016 gastierte das chilenische Partnerorchester der Musikschule Hürth, in dem Joaquín Muñoz Akkordeon spielt, im Rhein-Erft-Kreis und gab verschiedene Konzerte. In diesem Rahmen kam auch das Konzert auf Einladung des Jazzclubs zustande. „Ich danke ausdrücklich Ruddi Sodemann, der sich unermüdlich für die Kultur und die Musik in Hürth einsetzt, für dieses Projekt“, betonte Reiners nach dem Konzert. „Natürlich danke ich auch den hervorragenden Musikern, die spontan und ohne große Vorbereitung ein tolles Programm auf die Beine gestellt haben. Wir vom Jazzclub hoffen sehr, dass Joaquín Muñoz im nächsten Jahr wieder mit den chilenischen Musikern anreisen wird und versprechen für diesen Fall natürlich eine Fortsetzung des spannenden Projekts von Joaquín und dem «Duo David Riter & José Díaz de León»!“

 

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