Musik mit Senioren

Seniorengruppe übt sich in Zupfen und Streichen

„Und der Himmel hängt voller Geigen“ heißt es im Lied. Als ich die Aufforderung der Musikschule Hürth las: „Unterricht an Streichinstrumenten für Senioren“, dachte ich mir: Wenn der Himmel voller Geigen hängt, dann könnte auch eine für mich dabei sein. Es wurde keine Geige, aber ein Cello, mit dem ich mich zu Beginn des Jahres zum Unterricht anmeldete.

Die Josef-Metternich-Musikschule feiert in diesem Jahr ihr 50-Jähriges Bestehen. Eine Generation älter sind wir sieben Musikneulinge, die an zwei Violinen, zwei Bratschen, zwei Celli und einem Bass zunehmend besser versuchen, den Saiten der Instrumente die Töne zu entlocken, die uns die Noten vorgeben. Mit viel Geduld zeigt und erklärt uns Frau Schopen wie wir den Bogen ansetzen und streichen müssen, damit es im gemeinsamen Musizieren erträglich klingt. Begleitet vom Klavier lernen wir die richtigen Leersaiten zu treffen, Notenwerte einzuhalten und dabei die vorgegebenen Tempi und Taktbetonungen zu beachten, vor allem aber nicht in die Pausen hineinzuspielen. Mir macht es viel Freude, mich mit netten Musikbegeisterten an neue Herausforderungen heranzuwagen.

Es ist beeindruckend den virtuosen Musikvorträgen großer Meister zu lauschen, deren Leistung wir umso mehr bewundern, je mehr wir mit den Instrumenten vertraut werden, die der menschlichen Stimme so nahe sind. Wenn es auch nicht unser Ziel ist, dem nachzustreben,   können wir stolz zu sein, sollte es uns gelingt unterm Weihnachtsbaum, begleitet von Enkelkindern auf Flöte oder Keyboard, „Oh die fröhliche“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu spielen.

Lothar Lax


„Musik-ein Leben lang“

„Musik-ein Leben lang: eine wesentliche Aufgabe der Musikschule der Kommune“ war das Thema des Fachtages der Josef-Metternich-Musikschule am 12.9.14.

Auf  die Musikschulen kommt  eine neue Aufgabe zu: Menschen in der nachberuflichen Phase ihres Lebens und im 4. Lebensabschnitt möchten ihre Freizeit musikalisch gestalten und gehören zunehmend zum Kundenkreis der  Musikschulen. Unterschiedliche Konzepte  des elementaren Musizierens in Senioreneinrichtungen, gemeinsames Musizieren in Orchestern, Erwachsenenakademien und Musizieren für Menschen mit Demenzerkrankung sind Themen, die sich unter dem Begriff Musikgeragogik zusammenfassen lassen.

Im Workshop für Dozenten an Musikschulen demonstrierte Frau Angelika de Marco, ausgebildete Musikgeragogin, wie eine Stunde mit demenzerkrankten Senioren im Altenheim gestaltet sein kann, wobei sie die Workshopteilnehmer aktiv in die Übungen mit einbezog

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Workshop mit Angelika de Marco

Am Nachmittag in der Plenumsveranstaltung vor ca. 40 Gästen aus verschiedenen Bereichen informierte Prof. Hartogh, einer der ausgewiesenen Experten zu dem Thema in Deutschland, über bestehende musikgeragogische Projekte und theoretische Grundlagen.

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Professor Hartogh

Dabei wurde klar, dass bereits an sehr vielen in- und ausländischen Musikschulen und Altenheimen Musikgeragogik praktiziert wird.

Angelika de Marco informierte auch in diesem Kreis kurz über die Inhalte einer Gruppenstunde mit sehr alten Senioren. (Übrigens: Frau de Marco sprach auch am 9.3.15 bei einer ähnlichen Veranstaltung im Bayrischen Landtag.)

Vervollständigt wurde die Veranstaltung durch eine Podiumsdiskussion, bei der neben Medizinerin Frau Dr. Schreckling und auch Menschen zu Wort kamen, die in Senioreneinrichtungen arbeiten.

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Die Zuhörer sprachen danach besonders den Aspekt der Finanzierung an. Um die Finanzierung sicherzustellen, ist es erforderlich, dass sich Musikgeragogik als Berufssparte genau so etabliert wie Musiktherapie, so dass ihre Arbeit in den Altenheimen als unerlässlich betrachtet wird. Bewohnern von Senioreneinrichtungen bleibt allerdings oft nur ein geringer finanzieller Spielraum, so dass hier Fördervereine und Stiftungen gefragt sind, um diese Arbeit zu finanzieren.

Ein Beispiel für musikalische Betätigung gab die Hürther Demenzgruppe von Frau Dr. Schreckling, die von Frau Henkel, Dozentin an der Josef-Metternich-Musikschule, auf dem Akkordeon begleitet wurde. Spontan fielen die Anwesenden in den Chorgesang ein.

Für Menschen vor allem in der Nachberufsphase stellte Frau Schopen, Dozentin an der Josef-Metternich-Musikschule die nächsten Schritte in Hürth vor.

  • Eine Streicherklasse für Senioren.
  • Mit der VEEH-Harfe können Menschen ohne Notenvorkenntnisse und auch bei kleinen Einschränkungen in der Mobilität noch musikalisch aktiv sein.

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Am Schluss dankte Musikschulleiter Ruddi Sodeman dem Förderverein der Josef-Metternich-Musikschule, dass er diesen Fachtag ermöglicht hat und appellierte an die Politik, sich des Themas anzunehmen.

Dies war eine gelungene Veranstaltung, die das Projekt Musikgeragogik in Hürth auf den Weg bringen wird.

Mittlerweile  gibt es

  • Seit Januar 2015 gibt es eine Streicherklasse für Senioren.
  • Ein Pilotprojekt mit der VEEH-Harfe ist in Planung und wird hoffentlich noch in diesem Jahr begonnen.

Darüber soll zu gegebener Zeit berichtet werden.